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Samstag nachmittag: Deutschland kann nicht mehr tanken. Die Zeitschriften- und Getränkeregale bleiben unberührt. Warum? Sämtliche Kapazitäten von Aral, Uschi’s Kiosk, Edeka & Co. bedienen am Lotto-Schalter damit Otto Normalgewinner sechs dicke Kreuzchen über alle Geldsorgen setzen kann.
Da fragt man sich doch, ob die Weltwirtschaftskrise ihren Beitrag dazu leistet. Aber was passiert da eigentlich? Warum kriegen die Deutschen einen Kloß im Hals, wenn sie die Wirtschaftsseite der Tageszeitung öffnen und vom Bankrott der Bank XY lesen – von deren Existenz sie bis dahin gar nichts wußten?! Denn die meisten von uns sind nicht von Arbeitslosigkeit betroffen oder haben ihre Ersparnisse am Geldmarkt verwettet. Und doch hat man den Eindruck, dass Lotto im Moment die einzige vernünftige Hoffnung bietet, dass es geradezu unverantwortlich ist, nicht mit zu machen.
Stellen wir uns eine große Straße vor. Ihre wichtigste Eigenschaft ist, dass sie gerade ist – dazu wurde sie erbaut. Es gibt sie noch nicht lange, vielleicht hundert Jahre. Jeder, der etwas aus sich machen will, sollte sie nutzen. Wer ein Unternehmen besitzt, der teert automatisch ein paar Meilen auf ihr, die die zivilisierte Menschheit bereitwillig nutzen. Die Banken stellen Baugerät und Material – die Staaten, die an ihr mit bauen, kümmern sich um die Leitplanken. Damit auch keiner vom Kurs abkommt. Natürlich kommt keine uns bekannte Straße diesem Monument gleich. Ein nichtssagender Name wie A4 oder B250 wäre ein Beleidigung. Nennen wir sie also „Weltwirtschaft“.
Doch unsere Straße hat ein Problem (natürlich nicht ihr erstes). An dem Streckenkilometer, der dem Jahr 2008 entspricht, klafft eine Lücke; die Straße ist um einige Meter seitlich versetzt. Die Welt (meine Güte, man hatte ganz vergessen, dass die Straße auf so etwas unzuverlässigem wie Erde und Gestein erbaut wurde) wollte sich an dieser Stelle bewegen und hat unser Monument wie einen morschen Ast in der Mitte zerbrochen.
Was nun? Natürlich interessiert uns nicht, was das für die Banken oder den Staat bedeutet. Wir möchten wissen, was der Riß mit den vielen kleinen Nutzern unserer Straße – uns selbst – macht:
Der ganz normale Mensch ist seiner Illusion beraubt worden, dass es immer so weiter gehen wird. Der Satellit hatte seinem Navigationsgerät versichert, dass seine Zukunft aus gesichertem Einkommen bis zur Rente bestehen würde und für den Rest die All-In-One-Altersvorsorge sorgen würde. Freie Fahrt, keine Staus. Pustekuchen. Der Satellit wusste nämlich nichts von Gesteinsbewegungen… Das Werbebanner „Sicherheit“, das über jeder Auffahrt zu unserer Straße gespannt wurde, verliert von jetzt auf gleich seine Glaubwürdigkeit.
Man muss, glaube ich, nichts von Psychologie oder Finanzwirtschaft verstehen, um herauszufinden, warum eine „Weltwirtschaftskrise“, die den meisten von uns praktisch noch so weit entfernt ist, wie eine Wasserversorgungskrise in Afrika, eine so große „psychologische“ Wirkung auf uns ausübt: Das Geheimnis ist, wie oft, viel zu unkompliziert, um es mit unserem verkomplizierten Verstand zu erfassen:
All unsere krampfhaften Bemühungen, auch nur einen Tag unseres Lebens im Voraus zu planen, scheitern früher oder später daran, dass wir von der Zukunft wenig bis gar nichts kennen, geschweige denn beeinflussen können. Aber die Welt von Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten versichert uns das Gegenteil. Genau die Welt, in die das Geld so wunderschön eingebaut ist. Das ist die große Straße, in der scheinbar alles berechenbar ist. Die Prognosen versagen höchst zuverlässig, weil sie nicht alles wissen – und doch klammern wir uns an sie, weil wir sonst scheinbar nichts haben. Außer vielleicht den Schein mit 12 mal 49 Kästchen und einer Superzahl.
Warum all das Gerede von Straßen und Berechenbarkeit? Hinter unserer Wohnung, im Garten, leben tagsüber (mindestens zwei) Eichhörnchen. Und wenn man die mal beobachtet, dann fällt am stärksten auf, dass diese Lebewesen so etwas wie ein Hindernis nicht kennen. Sich um einen dicken Stamm winden. Über einen verwinkelten Ast zum nächsten Baum laufen, als wären beide miteinander verwachsen. Mit vollem Risiko an einen hoch aufgeschossenen, dünnen Nadelbaum springen. Und das alles in Sekundenbruchteilen. Unfassbar.
Wenn das Eichhörnchen einen Wald sieht, glaube ich, sieht es nicht Probleme sondern Lösungen. So scheint es zumindest. Es überlegt sich nicht, wie es die Walnuß-Handelsroute effizienter und zukunftssicherer gestalten kann, sondern behält sein Ziel im Auge und benutzt die „Straße“, die ihm zur Verfügung steht.
Wenn wir Menschen an die Wirtschaft denken (egal ob an die globale Krise oder die lokale in unserem Geldbeutel…) dann sehen wir in erster Linie Probleme. Und um es auf den Punkt zu bringen stehen wir alle vor einer Entscheidung:
Entweder wir glauben an den Überlebenskampf, in dem alles von Wahrscheinlichkeiten und unseren Geschäftigkeiten abhängt. Dann ist unser Leben eine einzige Reaktion auf Probleme und Durchhalten unser letztes Ziel. Oder wir leben lösungsorientiert und glauben, dass Gott jeden von uns versorgen wird. Punkt.
Jesus antwortete: Was für die Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.
Lukas 18,27
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Ich weiß es nicht genau, aber für einen Buchladen (-verkäufer, -händler) gibt es, so glaube ich, zwei Sorten Bücher: Die einen werden aufgestellt und die anderen werden hingelegt. Von den einen sieht man meistens nur einen einfarbigen Buchrücken. Die anderen präsentieren sich mit hochmodernen Layout; grell, anregend, ansprechend (was nichts über das Anregungsvermögen des Inhalts aussagt). Die einen sind durchschnittlich gesehen immer älter, die anderen moderner (was sie nicht zwangsläufig lesenswerter macht). Die einen gibt’s meistens als günstiges Taschenbuch, die anderen mit festem Einband zum doppelten Preis.
Warum ich das schreibe? Weil ich gemerkt habe, dass ich tendenziell eher zu den anderen greifen würde. Doch leider sind das auch die Bücher von denen (geschätzt) 90% nach zwei Jahren mangels Güte in Vergessenheit oder erfolglose ebay-Auktionen ab einen Euro geraten.
Die Wahrscheinlichkeit jedoch, ein gutes Buch (was auch immer das heißen mag) zu finden, sollte also unter den Büchern, die sich seit zwei, fünfzig oder zweihundert Jahren (natürlich inzwischen werbeunwirksam aufgestellt) existieren, größer sein. Nur so ein Gedanke.
Und über dem allen, mein Sohn, lass dich warnen; denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde.
Prediger 12,12

