Früher haben das Philosophen gemacht – heute Drehbuchautoren, Werbetexter oder … ich. Zum Thema habe ich ein Bild gefunden. Sowas hat man auch schon immer gemacht: ein Bild für etwas hernehmen, dass sich schlecht beschreiben lässt.
Wir sind wie die kleine Glaskugel, die auf dem Holzbrett – unseren Lebensumständen – liegt. Oder rollt. Oder was auch immer.
Sofort sieht man: das Leben hat eine Menge Schlaglöcher. Gruben, die uns zum Fall bringen wollen. Wer in so ein Loch fällt, muss oft wieder woanders anfangen. Das macht keinen Spaß! Außerdem sind Glaskugeln zerbrechlich. So mancher Fall kann einen zerbrechen. Daher lautet die einzige Lebensregel: Vermeide Schlaglöcher. Denn davon gibt es viele: ein unsicherer Job, eine schlechte Geldanlage, Krankheiten usw. Versicherung und Vorsorge sind daher angebracht.
Meistens sind jedoch Menschen diese Schlaglöcher. Sie misstrauen, benutzen und missbrauchen. Halte dich also auf Abstand von Menschen, die dir den Boden unter der Kugel aufbohren können.
Doch es gibt nicht nur Gefahren. Die kleinen dunklen Leisten, die einem immer wieder im Leben begegnen. Sie bieten sicheren Halt für Menschen, die das brauchen. Denn das Brett ist ziemlich wacklig! Anderen wiederum bieten sie Spannung, weil man nie genau weiß, was hinter einer Leiste noch so alles auf einen wartet.
Ob man nun eine Festung um sich herum bauen will, um gegen alle Schlaglöcher und Turbulenzen gesichert zu sein, oder ob man ein Maximum an Bewegung und Abwechselung bekommen möchte – die Führungsleisten machen es möglich. Die vielseitigste von ihnen ist natürlich Geld: sie passt praktisch überall – auf dem ganzen Holzbrett. Auch ein Haus, eine coole Begabung, ganz normale Einstellungen oder ziemlich abgefahrene Angewohnheiten gehören dazu. Je nach Typ…
Auch wenn manch einer es immer noch nicht wahrhaben will: Es gibt keinen Plan. Da ist keine schwarze Linie, die das Schicksal oder irgendein vergoldeter Holzgott für einen gezeichnet hat. Schwarze Linien und rote Fäden sind was für Leute mit viel Phantasie, die Abhängigkeit lieben und ohne sinnvolles Ziel keinen Fuß vor den anderen setzen können. Sowas glaubt man nicht…
Natürlich ist das Leben irgendwann vorbei. Aber sich damit auseinander zu setzen, bringt nichts. Denn wer ständig daran denkt, dass irgendwann einmal der Sensenmann die Glaskugel vom Spielfeld nimmt, hat ja gar nichts mehr vom eigentlichen Leben. Schließlich gibt es nur das eine Holzbrett. Oder?
Ich weiß nicht, was Du mit Deiner Kindheit für Gefühle verbindest, aber ich erinnere mich vor allem an eines: Unbekümmertheit, Sorglosigkeit.
Natürlich haben Kinder weniger Gründe, sich zu sorgen, da sie (im Idealfall) versorgt werden. Aber ich glaube, dass es noch eine Ursache gibt, weshalb viele Erwachsene diese Unbekümmertheit verloren haben: Die Art des Denkens.
Die meisten Erwachsenen denken wissenschaftlich. Das heißt, sie versuchen, aus Erfahrungen der Vergangenheit Schlussfolgerungen (Gesetzmäßigkeiten) abzuleiten, nach denen sich ihre Zukunft zutragen wird. Das ist nichts anderes, als wenn ein Physiker versucht, die (zukünftige) Flugbahn eines Satelliten zu berechnen.
Und mit dem Ablauf der Zukunft bestimmen wir auch das Maß an Glück oder Unglück, das uns damit erreichen wird. Das kennt jeder, wenn er zum Beispiel an einen Geburtstag von XY oder an den ganz normalen Alltag denkt. Übermäßige Freudenschübe werden wegen hohem Enttäuschungsrisiko gedanklich gekappt – alles muss möglichst im Rahmen unserer Erfahrungen verlaufen. Spaß muss bekannter Spaß sein, darf allerhöchstens ein bisschen mehr kitzeln.
Das wäre ja noch alles schön und gut, wenn der Mensch nicht so ein trübsinniger, bildzeitungsgeprägter Gefährte wäre. Von allen Möglichkeiten erscheinen die schlechteren doch immer noch am möglichsten. Dann doch lieber bewährte Weinglas-Melancholie als echte Hoffnung auf ein besseres Morgen.
Was würde ich manchmal geben, um wieder wie ein Kind denken zu können. Das aus Naivität (oder ungewollter Klugheit) noch nicht gelernt hat, Morgen und Übermorgen zu berechnen – was sowieso selten bis niemals möglich ist. Das sich mit vollem Risiko in tiefen Schmerz und übermäßiges Glück stürzt und doch (Achtung, jetzt kommt eine subjektive Wertung!) meistens glücklicher scheint als der Erwachsene.

