Einsortiert unter: Alltägliches | Schlagwörter: Ablehnung, Fragen, Kreativität, Kunst, Literatur, Lob, Motivation, Musik, Musizieren, Schreiben, Sorgen, Widerstand
Viele von uns würden liebend gerne ein Buch schreiben, einen Song aufnehmen oder einfach nur die Leinwand (ob in echt oder in Photoshop) nach eigenen Vorstellungen mit Farbe und Kontrast strapazieren. Sicher hat der ein oder andere auch schon so was gemacht und noch sicherer ist, dass er dabei mit Widerstand kämpfen musste: Selbstzweifel, Ablehnung …
Oft kommen dabei Fragen in einem hoch – gute und schlechte. Und ich glaube, dass es unheimlich hilfreich ist, diese Fragen zu identifizieren und dann vielleicht sogar ein Stück weit zu kontrollieren. Das heißt, den schlechten weniger und den guten mehr Autorität zu erlauben. Hier eine kleine, subjektive Auswahl:
Schlechte Fragen an die kreative Arbeit:
Wie viel Aufmerksamkeit verschafft sie mir?
Kann ich mit ihr meinen Lebensunterhalt bestreiten?
Wird es jemand wahrnehmen / hören / lesen / … wollen?
Gute Fragen an die kreative Arbeit:
Was erzählt sie vom Herzen Gottes?
Was erzählt sie vom Herz des Menschen?
Wo berührt sie die Realität?
Sicherlich kann man über die guten Fragen streiten, bei den schlechten würde ich allerdings mit ziemlicher Gewissheit behaupten, dass sie in den meisten Fällen das kreative Arbeiten (oder sogar die Persönlichkeit, die ja damit zusammenhängt) zerstören. Aufmerksamkeit oder Geldsorgen sind nicht der Teufel. Aber welcher Autor, dessen vorrangiges Ziel es war, aus der Masse hervor zu stechen, hat ein Stück Weltliteratur geschrieben? Und jeder Mensch weiß, dass Sorgen ganz allgemein das beste Pestizid sind, um jede Art von kreativen Gewächsen in der Entfaltung zu hemmen oder gar auszurotten.
Einsortiert unter: Fundsätzliches | Schlagwörter: Anne Lamott, Botschaft, Hoffnung, Leuchtturm, Schreiben
Ich mag es, wenn sie Hoffnung haben – wenn ein Erzähler oder ein Freund sich zu früh als ohne Hoffnung erweist, verliere ich das Interesse. So etwas depremiert mich. Es verursacht bei mir Fressanfälle. Eine Ausnahme sind hoffnungslose Personen, die darüber Witze reißen, aber schließlich drückt Galgenhumor in Wahrheit ja auch eine Art Hoffnung aus. Romane sollten Hoffnung haben – es gibt ganz allgemein überhaupt keinen Grund, Romane zu schreiben, die keine Hoffnung vermitteln. Wir wissen alle, dass wir sterben werden; die Frage ist nur, was für Menschen wir im Angesicht dieser Tatsache sind.
Sie brauchen nicht einmal zu wissen, wie oder durch was es geschieht, aber wenn Sie die klarsten, wahrhaftigsten Worte, die Sie finden können, schreiben und alles geben, um zu verstehen und es zu vermitteln, dann wird es auf dem Papier erstrahlen wie ein kleiner Leuchtturm. Leuchttürme rennen nicht überall auf der Insel herum und suchen nach Booten, die sie retten können; sie stehen nur da und senden ihr Licht aus.
Einsortiert unter: Fundsätzliches | Schlagwörter: Anne Lamott, Botschaft, Geben, Schreiben, Schriftsteller, Worte
Hast Du schon mal drüber nachgedacht, zu Schreiben? Vielleicht als Kind eine Kurzgeschichte. Oder als Erwachsener über deine Kindheit. Ein Buch. Ein Gedicht. Einen Brief. Irgendwas?!
Gerade habe ich ein Buch durch, das ich einfach nur weiterempfehlen muss und daher das ein oder andere daraus hier zitieren werde.
Bird by Bird. Wort für Wort von Anne Lamott.
(Leider ist es nur noch gebraucht in deutsch zu bekommen und nicht gerade günstig.)
Hier der erste Ausschnitt:
Sie werden geben, geben und nochmals geben müssen, andernfalls brauchen Sie gar nicht erst zu schreiben. …
Hier ist die schönste Geschichte zum Thema Geben, die ich kenne; sie wurde mir von Jack Kornfield vom Spirit Rock Mediation Center in Woodacre erzählt. Ein Achtjähriger hörte, dass seine jüngere Schwester, die Laukämie hatte, sterben würde, wenn sie keine Bluttransfusion bekäme. Seine Eltern erklärten ihm, dass sein Blut sich vermutlich mit ihrem vertragen würde und dass er daher als Spender geeignet wäre. Sie fragten ihn, ob sie sein Blut untersuchen dürften. Er willigte ein, und es zeigte sich, dass es funktionieren könnte. Nun fragten sie ihn, ob er seiner Schwester einen halben Liter Blut abgeben würde, weil das vielleicht ihre letzte Chance war. Der Junge sagte, er würde die Entscheidung überschlafen.
Am nächsten Tag ging er zu seinen Eltern und sagte, er sei bereit zu spenden. Sie brachten ihn ins Krankenhaus, wo er neben seine Schwester auf eine Bahre gelegt wurde. Man zapfte ihm Blut ab und hängte den Behälter an den Tropf seiner Schwester. Der Junge lag schweigend auf der Bahre, während das Blut in seine Schwester sickerte, bis der Arzt kam und nach ihm sah. Da öffnete der Junge die Augen und sagte, “Wie bald werde ich anfangen zu sterben?”

