G danken


Unbekümmertheit
13. April 2009, 17:46
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Ich weiß nicht, was Du mit Deiner Kindheit für Gefühle verbindest, aber ich erinnere mich vor allem an eines: Unbekümmertheit, Sorglosigkeit.

Natürlich haben Kinder weniger Gründe, sich zu sorgen, da sie (im Idealfall) versorgt werden. Aber ich glaube, dass es noch eine Ursache gibt, weshalb viele Erwachsene diese Unbekümmertheit verloren haben: Die Art des Denkens.
Die meisten Erwachsenen denken wissenschaftlich. Das heißt, sie versuchen, aus Erfahrungen der Vergangenheit Schlussfolgerungen (Gesetzmäßigkeiten) abzuleiten, nach denen sich ihre Zukunft zutragen wird. Das ist nichts anderes, als wenn ein Physiker versucht, die (zukünftige) Flugbahn eines Satelliten zu berechnen.
2009_04_berechnungUnd mit dem Ablauf der Zukunft bestimmen wir auch das Maß an Glück oder Unglück, das uns damit erreichen wird. Das kennt jeder, wenn er zum Beispiel an einen Geburtstag von XY oder an den ganz normalen Alltag denkt. Übermäßige Freudenschübe werden wegen hohem Enttäuschungsrisiko gedanklich gekappt – alles muss möglichst im Rahmen unserer Erfahrungen verlaufen. Spaß muss bekannter Spaß sein, darf allerhöchstens ein bisschen mehr kitzeln.

Das wäre ja noch alles schön und gut, wenn der Mensch nicht so ein trübsinniger, bildzeitungsgeprägter Gefährte wäre. Von allen Möglichkeiten erscheinen die schlechteren doch immer noch am möglichsten. Dann doch lieber bewährte Weinglas-Melancholie als echte Hoffnung auf ein besseres Morgen.

Was würde ich manchmal geben, um wieder wie ein Kind denken zu können. Das aus Naivität (oder ungewollter Klugheit) noch nicht gelernt hat, Morgen und Übermorgen zu berechnen – was sowieso selten bis niemals möglich ist. Das sich mit vollem Risiko in tiefen Schmerz und übermäßiges Glück stürzt und doch (Achtung, jetzt kommt eine subjektive Wertung!) meistens glücklicher scheint als der Erwachsene.



Von Eichhörnchen und der Weltwirtschaftskrise
1. Februar 2009, 16:46
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Samstag nachmittag: Deutschland kann nicht mehr tanken. Die Zeitschriften- und Getränkeregale bleiben unberührt. Warum? Sämtliche Kapazitäten von Aral, Uschi’s Kiosk, Edeka & Co. bedienen am Lotto-Schalter damit Otto Normalgewinner sechs dicke Kreuzchen über alle Geldsorgen setzen kann.

Da fragt man sich doch, ob die Weltwirtschaftskrise ihren Beitrag dazu leistet. Aber was passiert da eigentlich? Warum kriegen die Deutschen einen Kloß im Hals, wenn sie die Wirtschaftsseite der Tageszeitung öffnen und vom Bankrott der Bank XY lesen – von deren Existenz sie bis dahin gar nichts wußten?! Denn die meisten von uns sind nicht von Arbeitslosigkeit betroffen oder haben ihre Ersparnisse am Geldmarkt verwettet. Und doch hat man den Eindruck, dass Lotto im Moment die einzige vernünftige Hoffnung bietet, dass es geradezu unverantwortlich ist, nicht mit zu machen.

Stellen wir uns eine große Straße vor. Ihre wichtigste Eigenschaft ist, dass sie gerade ist – dazu wurde sie erbaut. Es gibt sie noch nicht lange, vielleicht hundert Jahre. Jeder, der etwas aus sich machen will, sollte sie nutzen. Wer ein Unternehmen besitzt, der teert automatisch ein paar Meilen auf ihr, die die zivilisierte Menschheit bereitwillig nutzen. Die Banken stellen Baugerät und Material – die Staaten, die an ihr mit bauen, kümmern sich um die Leitplanken. Damit auch keiner vom Kurs abkommt. Natürlich kommt keine uns bekannte Straße diesem Monument gleich. Ein nichtssagender Name wie A4 oder B250 wäre ein Beleidigung. Nennen wir sie also „Weltwirtschaft“.
Doch unsere Straße hat ein Problem (natürlich nicht ihr erstes). An dem Streckenkilometer, der dem Jahr 2008 entspricht, klafft eine Lücke; die Straße ist um einige Meter seitlich versetzt. Die Welt (meine Güte, man hatte ganz vergessen, dass die Straße auf so etwas unzuverlässigem wie Erde und Gestein erbaut wurde) wollte sich an dieser Stelle bewegen und hat unser Monument wie einen morschen Ast in der Mitte zerbrochen.

Was nun? Natürlich interessiert uns nicht, was das für die Banken oder den Staat bedeutet. Wir möchten wissen, was der Riß mit den vielen kleinen Nutzern unserer Straße – uns selbst – macht:2009_02_strasse
Der ganz normale Mensch ist seiner Illusion beraubt worden, dass es immer so weiter gehen wird. Der Satellit hatte seinem Navigationsgerät versichert, dass seine Zukunft aus gesichertem Einkommen bis zur Rente bestehen würde und für den Rest die All-In-One-Altersvorsorge sorgen würde. Freie Fahrt, keine Staus. Pustekuchen. Der Satellit wusste nämlich nichts von Gesteinsbewegungen… Das Werbebanner „Sicherheit“, das über jeder Auffahrt zu unserer Straße gespannt wurde, verliert von jetzt auf gleich seine Glaubwürdigkeit.

Man muss, glaube ich, nichts von Psychologie oder Finanzwirtschaft verstehen, um herauszufinden, warum eine „Weltwirtschaftskrise“, die den meisten von uns praktisch noch so weit entfernt ist, wie eine Wasserversorgungskrise in Afrika, eine so große „psychologische“ Wirkung auf uns ausübt: Das Geheimnis ist, wie oft, viel zu unkompliziert, um es mit unserem verkomplizierten Verstand zu erfassen:
All unsere krampfhaften Bemühungen, auch nur einen Tag unseres Lebens im Voraus zu planen, scheitern früher oder später daran, dass wir von der Zukunft wenig bis gar nichts kennen, geschweige denn beeinflussen können. Aber die Welt von Zahlen, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten versichert uns das Gegenteil. Genau die Welt, in die das Geld so wunderschön eingebaut ist. Das ist die große Straße, in der scheinbar alles berechenbar ist. Die Prognosen versagen höchst zuverlässig, weil sie nicht alles wissen – und doch klammern wir uns an sie, weil wir sonst scheinbar nichts haben. Außer vielleicht den Schein mit 12 mal 49 Kästchen und einer Superzahl.

Warum all das Gerede von Straßen und Berechenbarkeit? Hinter unserer Wohnung, im Garten, leben tagsüber (mindestens zwei) Eichhörnchen. Und wenn man die mal beobachtet, dann fällt am stärksten auf, dass diese Lebewesen so etwas wie ein Hindernis nicht kennen. Sich um einen dicken Stamm winden. Über einen verwinkelten Ast zum nächsten Baum laufen, als wären beide miteinander verwachsen. Mit vollem Risiko an einen hoch aufgeschossenen, dünnen Nadelbaum springen. Und das alles in Sekundenbruchteilen. Unfassbar.
2009_02_eichhoernchen2Wenn das Eichhörnchen einen Wald sieht, glaube ich, sieht es nicht Probleme sondern Lösungen. So scheint es zumindest. Es überlegt sich nicht, wie es die Walnuß-Handelsroute effizienter und zukunftssicherer gestalten kann, sondern behält sein Ziel im Auge und benutzt die „Straße“, die ihm zur Verfügung steht.
Wenn wir Menschen an die Wirtschaft denken (egal ob an die globale Krise oder die lokale in unserem Geldbeutel…) dann sehen wir in erster Linie Probleme. Und um es auf den Punkt zu bringen stehen wir alle vor einer Entscheidung:

Entweder wir glauben an den Überlebenskampf, in dem alles von Wahrscheinlichkeiten und unseren Geschäftigkeiten abhängt. Dann ist unser Leben eine einzige Reaktion auf Probleme und Durchhalten unser letztes Ziel. Oder wir leben lösungsorientiert und glauben, dass Gott jeden von uns versorgen wird. Punkt.

Jesus antwortete: Was für die Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.
Lukas 18,27



Es gibt einen Tag
4. Januar 2009, 16:02
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sonnenaufgang

Es gibt einen Tag im Leben, der verbindet alle Menschen dieser Erde.
Denn jeder einzelne von ihnen schenkt diesem einen Tag besonders viel Aufmerksamkeit.

Es gibt einen Tag, der hauptverantwortlich für das ist, was wir Hoffnung nennen.
Leider auch für unseren Schmerz und unsere Sorgen.

Für keinen anderen Tag werden so viele Wetterberichte erstellt und so viele Sternbilder befragt.

Kein anderer Tag stellt so viele Fragen und kann doch so wenige davon beantworten.

Kein anderer Tag im Leben ist so hoch versichert und so gut verplant…

… und doch ist das einzige, das wir von ihm wissen, dass er kommen wird
und dass die Sonne scheinen wird – auch wenn wir sie vielleicht nicht sehen.

Dieser Tag ist morgen.
Sein Fehler besteht nicht darin, dass er existiert, sondern dass er seinen Platz verlassen hat.
Dass er – heute – nörgelnd und quengelnd wie ein kleines Kind im Supermarkt an unserem Bein klebt, damit man seine Angelegenheiten regele und seinen lächerlichen Sorgen Aufmerksamkeit schenke.

Denn es gibt noch einen Tag. Oder besser gesagt das, was davon übrig geblieben ist.
Ein kümmerliches Häuflein Zeit – einsam und vernachlässigt – am Ende unserer To-do-Listen, wo es doch an den Anfang gehört. Heute.

Denn heute kannst du zehn mal so viel schaffen, wie du für morgen planen kannst.
Heute kannst du die Probleme von gestern oder Vorvorgestern in die Hand nehmen.
Heute – und nur heute – kannst du dein Leben leben.

Wer von euch kann sich denn durch Sorgen das Leben auch nur um einen Tag verlängern?
Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.
Matthäus 6,27 & 6,34




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