Einsortiert unter: Fundsätzliches | Schlagwörter: Christus, Gewalt, Jesus, Liebe, Menschen, Napoleon Bonaparte
… und ich sage Ihnen, dass Jesus kein gewöhnlicher Mensch ist. Zwischen ihm und jeder anderen Person in der Welt gibt es keinen Vergleich. Alexander, Cäsar, Karl der Große und Ich haben Weltreiche gegründet. Aber auf was gründeten wir diese Kreationen unseres Genies? Auf Gewalt.
Jesus Christus gründete sein Reich auf Liebe; und zu dieser Stunde würden Millionen Menschen für ihn sterben.
Napoleon Bonaparte
Einsortiert unter: Christliches | Schlagwörter: Antwort, Beratungsresistenz, Frage, Jesus, Liebe, Nachfolge
… zumindest nicht in der Regel. Er weiß um die Beratungsresistenz seiner Nachfolger und stellt lieber die richtigen Fragen.
Und zum dritten Mal fragte Jesus: “Simon, Sohn des Johannes, hast du mich wirklich lieb?”
Johannesevangelium 21, 17a
Einsortiert unter: Christliches | Schlagwörter: Fest, Heiligabend, Liebe, Weihnachten, x-mas
Am Heiligabendmorgen noch,
fall ich in ein Sorgenloch.
Frag mich: ist’s die Nächstenliebe,
oder sind es Geltungstriebe,
die das Packpapier verhüllt
und den Weihnachtsbaumraum füllt.
Doch mittags schon hab ich verstanden:
der Festbenennung kam abhanden.
Glückwunschprints mit leeren Worten,
Tannenmissbrauch allerorten.
Grundlos, wer die Nase rümpft,
weil Weihnacht’ sich jetzt x-mas schimpft.
Einsortiert unter: Alltägliches | Schlagwörter: Augenhöhe, Investition, Liebe
Was ist Liebe? Die Tatsache, dass diese Frage im Allgemeinen ziemlich ungeklärt ist, schreibt die Drehbücher für 50 % aller Filme. Was Liebe nicht ist, lässt sich da schon leichter beantworten: Liebe ist keine Investition!
Dazu drei Gedanken:
- Eine Investition wird mit dem Ziel getätigt, dass etwas rausspringt. Man investiert in eine Firma, um sich am Gewinn dieser zu beteiligen. Die Firma selbst ist uninteressant. Wenn Liebe zur Investition wird, reduziert man seinen Mitmenschen letzlich darauf, dass er einem – nach anfänglichen Kosten – “etwas bringt”.
- Eine Investition verschleiert die tatsächlichen “Verhältnisse”: es scheint, als wäre da jemand, der etwas zu geben hätte (ein Investor). Doch in Wirklichkeit hat dieser einen ausgeprägten Mangel oder zumindest ein starkes Bedürfnis seinerseits. Wenn Liebe zur Investition wird, entstehen Abhängigkeiten, in denen der scheinbar Gebende (sich Aufopfernde) tatsächlich einen unersättlichen Hunger hat.
- Eine Investition zerstört die Gleichwertigkeit der Menschen. Der Investor steht ethisch über seinen Mitmenschen, denen er “dient”. Wenn Liebe zur Investition wird entstehen auf dem Grundsatz, dass “Geben seliger als Nehmen ist” moralische Übermenschen, die niemanden brauchen – selbst jedoch nicht ertragen, ungebraucht zu sein. Dass es manchmal seliger ist, etwas anzunehmen passt nicht in deren Weltbild.
Liebe setzt voraus, dass da eine “Fülle” ist, aus der heraus man geben kann, ohne Provision zu verlangen. Aus der heraus man aber auch nehmen kann, ohne zurück zu bezahlen. Sie setzt voraus, dass der Nächste auf Augenhöhe ist.
Wenn das nicht mehr der Fall ist – wenn kein Vorrat vorhanden ist und kein Mensch mehr auf Augenhöhe, bleibt dieser Liebe nur noch eine Investition: in sich selbst. Und schließlich folgt der absurde Versuch, durch immer mehr Aufmerksamkeiten, Geschenke, Seelen-Balsam, Rechtfertigungen und auch Opfern aus dem eigenen Leben einen Gewinn heraus zu schlagen.
Zu wie viel Selbsthass führt die Einsicht, dass dies nicht möglich ist?
Du sitzt, weil du nicht mehr stehen kannst und wartest auf eine Nachricht im Posteingang.
Du verschlingst die Bücher auf der Suche nach dem Grund als wäre es eine Frage davon, wie gründlich man die Antworten sammelt und sortiert.
Du räumst regelmäßig dein Leben auf – in der Hoffnung, es würde dieses mal so bleiben.
Du hasst die To-do-Liste, weil sie niemals dafür sorgt, dass es nichts zu tun gibt.
Du führst ein Leben der Vermeidung, das vom Ausschluss theoretischer Katastrophen genährt wird und praktisch jedes Ziel ausschließt.
Du hast zurecht deine Gemeinschaft verlassen, weil du unrecht behandelt worden bist; doch dein Recht lässt sich nicht gegen Frieden eintauschen.
Du vertraust der Fabel vom unnahbaren Gott, dessen Passion es ist, Menschen beim Nichterfüllen seiner Gesetze zu ertappen.
Du verfluchst deine Gefühle, weil sie die Grammatik nicht beherrschen und deinen Verstand weil er die Worte nicht versteht, die deine Seele ihm diktiert.
Du glaubst, das Leben hätte eine Zeitleiste wie ein Web-Video und dein Bestreben müsse es sein, die schlechten Tage vorzuspulen und die guten gezielt zu wiederholen – bis du spürst, dass alles Gute vergänglich ist und nicht ohne Narben in deinem Herz verschwindet.
Du konzentrierst dich auf Zerstreuung und weinst gleichzeitig dem hinterher, was du glaubst, verloren zu haben.
Du suchst nach der Brücke, die sich nicht herunterbrennen lässt und wirst sie nicht eher finden, bis du begriffen hast, dass Gott verloren hat.
Dass dein Gewicht ein Loch in Sein Herz gerissen hat.
Dass der Allmächtige sich schwach und verwundbar gemacht hat.
Dass du es ihm wert bist, die Herde zu verlassen, das Haus auf den Kopf zu stellen, auf Bäumen zu suchen und sich unschuldig hinrichten zu lassen, um dir ein Fest zu bereiten.
In einer Großbaustelle neben der alten Stadtkirche saß eine junge Frau mitten in der nassen roten Erde. Der Regen löschte ihren Alkoholgeruch. Es schüttete ununterbrochen, doch sie hatte sich den Platz selbst ausgesucht. Ihr Gesicht war so verwaschen, dass es nur noch Trauer ausdrückte.
Es war Samstagabend und schon im Dunkeln verließen die ersten Gottesdienstbesucher das Kirchengebäude. Einer von ihnen, ein kräftiger Mann mit breitem Kreuz, sah die Frau im gelben Licht der Straßenlaterne und lief zu ihr. Er überlegte kurz und als er neben ihr eine Schaufel fand, begann er, einen Graben rund um sie herum auszuheben, aus dem das Wasser ablaufen konnte. Doch nach einer Viertelstunde bemerkte er, dass er der immer stärker werdenden Regenflut nicht Herr werden konnte und ging – unzufrieden darüber, dass er nicht mehr gebraucht wurde – heim. Ein Engel, der in der Nähe war und die Menschen, die aus der Kirche kamen, beobachtete, sah ihn und lobte seine Tatkraft.
Kurz darauf kam ein etwas älterer Mann und sein Blick fiel ebenso auf die elende Frau. Auch ihn ergriff das Mitleid und er öffnete seinen Koffer, kramte kurz darin, holte dann eine Bibel heraus und legte sie der Frau auf den Schoß. Dann drehte er sich um, ging nach Hause und dachte dabei: „Darin steht alles, was diese verlorene Seele benötigt!“ Der Engel beobachtete auch diesen Mann und lobte seine Weisheit.
Einige Zeit später, als gerade die Lichter der Kirche ausgegangen waren, kam eine Frau an der Baustelle vorbei. Als sie das Mädchen im Dreck erblickte, wurde auch sie vom Mitleid erfasst – doch blieb zunächst unschlüssig. Plötzlich erinnerte sie sich an die Geschichte, wie Gott in diese Welt kam, die sie gerade zum hundertsten oder tausendsten Mal in der Kirche gehört hatte. Sie ging zu dem Mädchen, setzte sich neben es und warf ihren Mantel um den zitternden Körper. In diesem Moment begriff sie sie zum ersten Mal – die Geschichte von Gott und der Welt. Als der Engel auch diese Frau sah, wusste er nicht, wofür er sie loben konnte. Er bekam Angst und verschwand – denn er war ein gefallener Engel.
Selbst wenn ich all meinen Besitz an die Armen verschenke und für meinen Glauben das Leben opfere, aber ich habe keine Liebe, dann nützt es mir gar nichts.
1. Korinther 13,3
Das Gewissen, sagt man, führt zurück auf den richtigen Weg – Gott spricht in unserem Gewissen. Für andere ist es ein Überrest, der nach Millionen Jahren von Evolution doch nun endlich mal zum Wohle aller verschwinden sollte.
In jedem Fall ist es mächtig. Es operiert wie ein Chirurg direkt am Herzen. Und das mit Verstandeswerkzeug. Aber was passiert, wenn diese Macht missbraucht wird? Kann sie das überhaupt?
Ich denke, dass Gott unser Gewissen als ein Werkzeug für einen guten Zweck geschaffen hat. Vielen Menschen begegnet Gott zum ersten Mal im Gewissen. Und daran kann man Gefallen finden. Denn das Gewissen ist spürbar nah. Es verspricht einem untrügliche Sicherheit im Umgang mit Gut und Böse. Und mehr und mehr verliert es seine Rolle als Werkzeug…
Gott hasst die Schuld, weil sie seine geliebten Geschöpfe – uns selbst – von ihm trennt. Das gesamte Christentum ist eine Chronik der Wiederherstellung dieser Trennung. Gott setzt nicht der Schuld wegen soviel Energie um, sondern wegen uns.
Das Gewissen fängt genauso an. Es „argumentiert“ in unserem Herzen, wenn wir etwas Falsches tun. Doch wenn es seine Rolle als Werkzeug verliert, verliert es sein Ziel: dann ist es gar nicht mehr daran interessiert, den Menschen bei Gott zu sehen – schließlich verlöre es dadurch seine Daseinsberechtigung.
Es wird zu einer Schuldmühle. „Dort habe ich versagt!“ „Dies habe ich falsch gemacht.“ „Ihn betrogen, sie vernachlässigt…“ Sünde wird zum Futter für den gefräßigen Gott namens Gewissen und mit den besten Argumenten fordert er sie ein. Der Mensch verendet in einer trüben Suppe aus Selbsthass, Unversöhnlichkeit und Gesetzlichkeit.
Gottes Liebe ist letztlich fernab von Logik. Für Vergebung lassen sich keine Verstandesargumente formulieren. Wenn das Gewissen zum Gott wird, hat es seine Bestimmung verlassen. Dann hat es kein Recht mehr, unseren Himmel zu verdunkeln.
Wenn Dich Dein Gewissen nicht (mehr) zu Gott führt, dann hör’ guten Gewissens weg und such’ Seine Stimme!
Doch auch wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott größer ist als unser Gewissen. Er kennt uns ganz genau. Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen.
1. Johannes 3, 20f

Einsortiert unter: Kurzgeschichtliches | Schlagwörter: Freiheit, Liebe, Religion
In einem fernen Land lebten einmal drei junge Männer. Sie waren dort aufgewachsen und in ihrer Kindheit mehr oder weniger gut versorgt worden. Die drei waren befreundet und eines Tages trafen sich zwei von ihnen und redeten über das Leben in ihrer Gesellschaft. Sie redeten viel länger als geplant und kamen schließlich zu der Erkenntnis, dass die Menschen, die in ihrem Land leben und Verantwortung tragen, ganz fürchterliche Dinge tun.
„In meiner Nachbarschaft denkt jeder nur an seine Sicherheit. Sie würden eher sterben, als daran zu denken, dass auch andere in Sicherheit leben wollen,“ sagte der eine.
Und der zweite meinte dazu: „Es ist für mich ein Wunder, dass das Leben in einer so boshaften und egoistischen Gesellschaft noch möglich ist.“
So redeten sie bis tief in die Nacht hinein. Am Ende beschlossen sie, eine Reise zu unternehmen, um herauszufinden, ob es auf dieser Welt nicht noch bessere Orte gäbe.
Am nächsten Tag erzählten sie dem Drittem von ihrem Vorhaben, doch dieser antwortete ihnen auf die Frage, ob er mitkommen wolle: „Ihr seid doch Weltverbesserer. Wer hat euch dieses Märchen von einer anderen Gesellschaft in den Kopf gepflanzt? Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht… Was ist da hinzuzufügen? Auch wenn es das Ende unserer Freundschaft bedeutet; ich werde euch nicht begleiten.“
Die beiden waren traurig über seine Worte, doch sie hielten an ihrer Reise fest – die Idee eines besseren menschlichen Zusammenlebens hatte sich zu tief in ihr Herz gegraben.
So machten sie sich auf die Reise und durchwanderten viele Gegenden, manche davon waren noch trostloser als ihre Heimat. Doch nach einigen Wochen erreichten sie ein Land, dessen Grenze nur von einer Seite bewacht wurde. Sie kamen in eine größere Stadt und die Menschen dort sahen, dass die beiden Fremde waren und luden sie zu sich nach Hause ein. Sie waren ergriffen von der Gastfreundlichkeit der Einheimischen und konnten sich nur schweren Herzens für ein Übernachtungsangebot entscheiden. Die beiden lebten ein paar Wochen in der Stadt und lehnten keine Freundlichkeit der Menschen dort ab. Eines Abends saßen sie wieder zusammen, wie an dem Abend, an dem sie ihre Reise beschlossen hatten, und redeten über das Land, in dem sie nun waren.
„Hier ist es gut,“ sagte der eine: „die Menschen lieben einander, anstatt sich zu hassen. Hast du jemals in unserer Heimat eine solche Friedfertigkeit erlebt?“
„Du hast Recht. Die Gastfreundschaft ist beeindruckend, die Menschen tun einander unablässig gutes. Und doch weiß ich nicht, was dieses Volk verbindet. Es ist als hätte man in unfassbarer Mühe das ganze Land mit Straßenlaternen ausgestattet und zum Schluss vergessen, sie an ein Stromnetz zu schließen.“
Und sie redeten wieder bis spät in die Nacht hinein. Schließlich sagte der andere: „Nein, ich werde nicht hier bleiben. Es mag eigensinnig klingen, aber dieses Land hier ist nicht das, von dem mir meine Sehnsucht erzählt hat.“
Die Freundschaft wurde also vollends aufgehoben und der andere nahm am nächsten Tag Abschied. Der eine jedoch
blieb in der Stadt. Er machte dort eine Ausbildung und begann zu arbeiten. Er fand eine Frau und gründete eine Familie. Er wollte werden, wie die Menschen, die dort wohnten und er schaffte es.
Sieben Jahre lang hörte er nichts mehr von dem anderen, bis dieser eines Tages an seine Haustür klopfte. Er öffnete ihm, lud ihn zum Essen ein und bat ihn, zu erzählen, was er in der Zwischenzeit erlebt hatte und warum er hier sei.
Der andere begann daraufhin mit seiner Geschichte: „Ich verließ diese Stadt und machte mich auf den Weg. Aber irgendwann wurde ich vom Wandern müde – ich war bereits mehr als fünf Monate unterwegs – und beschloss schließlich doch, hier zu bleiben. Zu dir zurückkehren konnte ich nicht, das verbot mir mein Stolz. Also fing ich an zu arbeiten, baute ein Haus und wurde wie die Menschen in diesem Land. Die Menschen waren gut zu mir und ich war gut zu ihnen. Vier Jahre lang lebte ich so, doch irgendwann kam es, wie das Sprichwort sagt: ‘Die Menschen lieben einander so lange, bis sie einander nicht mehr lieben.’ Ein unerträgliches Gefühl der Heuchelei überkam mich und ich fing an, Einladungen und Geschenke abzulehnen. Da veränderte sich die Haltung der anderen mir gegenüber. Bald kam ich mir vor wie ein Bettler, der einem König sein Zepter und damit seine Macht geklaut hatte. Die Blicke meiner Nachbarn wurden kalt. Doch um ehrlich zu sein, muss ich genauer sagen, dass sie bei meinem Anblick nicht mehr warm wurden – kalt waren sie immer gewesen, wenn sie sich unbeobachtet fühlten… Nach einiger Zeit hielt ich die misstrauischen Blicke der Menschen und ihr zögerliches Verhalten mir gegenüber nicht mehr aus und verließ dieses Land.
Es war eine harte und beschwerliche Reise. Ich musste noch einmal acht Monate wandern, bis eines Tages die Siedlungen verschwanden und ein verlassenes, ödes Grenzgebiet vor mir lag. Vier Tage und vier Nächte schleppte ich mich mit letzter Kraft durch diese Wüste. Es war mitten in der Nacht, als ich plötzlich in der Ferne Lichter erblickte: Es war die Beleuchtung ein großes Festes. Mit den Jahren wurde ich sehr argwöhnisch, so dass ich mich zunächst nur anschlich und beobachtete. Je länger ich da im geheimen saß, desto beeindruckter war ich. So ein Fest hatte ich noch nicht erlebt. Es war nicht wie in unserer Heimat, wo man sich trifft, um gemeinsam den Abend oder besser gesagt das Leben im Alkohol zu ertränken. Auch war es nicht wie die Feste hier, bei denen sich alles um den Gastgeber und seine Gastfreundlichkeit dreht. Es war, als wäre dieses Fest für einen anderen. Einen, der gar nicht da war. Doch alle anderen saßen an einer riesigen Tafel, an der es kein oben und unten, keine besser und schlechter bedienten Plätze gab. Und ich sah dem Anschein nach arme und reiche Leute, doch alle drückten mit ihren Gesten aus, dass sie genug hatten. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich das Wort Fülle begreifen – auch wenn ich nichts von dem sah, was ich mir bisher darunter vorgestellt hatte.
Man hätte diesen Leuten alles Geld der Welt und jeden Gegenstand, für dessen Besitz sich Menschen abplagen, bieten können und sie hätten doch nur gesagt: ‘Was störst du unser Fest? Feier mit, oder verschwinde!’ Da verlor ich mein Misstrauen, ging unsicher auf die Tafel zu und bat um etwas zu trinken. Man bot mir den Platz an, auf dem ich für den ganzen Rest der Feier sitzen blieb und Angst davor hatte, der Gastgeber würde doch noch auftauen und mich von seinem Platz verscheuchen.
In dieser Nacht fing ich an, zu begreifen, was das bedeutet, was wir hilflos mit dem Wort Liebe bezeichnen. In unserer Heimat kannte man es gar nicht, sondern nur den Schatten davon – Hass. Hier, in dem Land in dem du wohnst und ich vier Jahre lang gewohnt habe, hat man versucht, diesen Schatten hell zu machen. Man hat das Vorzeichen des Hasses umgekehrt. An Stelle von Kanonenkugeln fliegen hier Sahnetorten, was im Endeffekt das gleiche ist. Hier zählt nicht der Nächste, sondern die Tatsache, dass ich ihn liebe. Wenn er mir das nicht mehr erlaubt, werde ich ihn hassen – natürlich in einer geheimeren Form als in unserer Heimat. Die Liebe, die hier gelebt wird, ist anfangs meist nicht falsch – aber sie ist schwach: Kaum einer hält es länger als ein halbes Leben aus, sie hervorzubringen.
Die Liebe, die ich dort erlebt habe, kann nur von außen kommen. Denn sie muss das schaffen, was der Mensch niemals selbst vollbringen kann: Nämlich, ihn von dem Thron herunter zu holen, von dem herab er bisher die anderen Menschen betrachtet hat.
Einen Menschen zu lieben macht nur dann Sinn, wenn ich mit ihm auf einer Augenhöhe bin. Das begriff ich, als man mich bat, an der Festtafel Platz zu nehmen.
Warum ich zu dir komme? Ich bin hier, um dir von diesem Land zu erzählen!“
„I don’t believe in love“ ist ein Titel der Band Queensryche. Im Song heißt es weiter: „It’s never worth the pain that you feel.“
„Ich glaube nicht an die Liebe – niemals ist sie den Schmerz wert, den man fühlt.“
Vor ein paar Monaten lief im Fernsehen ein Bericht über eine Frau, die sich in ihrem Beruf irgendwie damit beschäftigte, Männer mit ihrem Körper zu unterhalten (wie genau, weiß ich nicht mehr.) Sie wurde bei ihrer (mindestens) zweiten Schönheits-OP begleitet: einer Brustverkleinerung. Sie sagte etwas in der Art: „Ich fühle mich nicht mehr wie eine Frau…“
Bleibt die Frage offen, wie sie sich vor ihrer ersten Schönheits-OP gefühlt hatte, bei der man ihr die Silikon-Implantate verpasste.
Warum macht ein Mensch (und das ist nur ein Beispiel) so offensichtlich widersprüchliche Dinge? Über eine Frau, die sich die Brüste vergrößern lässt, um von Männern angesehen zu werden und dann, wenn sie zu groß sind, verkleinern lässt, um von Männern (wieder) angesehen zu werden, lässt sich leicht urteilen.
Was tust du, damit andere Menschen einen Blick auf dein Leben werfen?
Ich glaube, dass das Beispiel vor allem eines zeigt: Nämlich, dass man Liebe nicht erzwingen kann.
Ich kann noch so hilfreich, cool, angesagt, freundlich, reizvoll, gehorsam, schmeichlerisch, gebildet usw. sein: das Verhalten eines anderen zu mir (seine Liebe oder gar sein Hass) bleibt doch mechanisch an meine Bemühungen gebunden – ein zwangvolles Spiegelbild meiner Leistungen.
Um echte (freie) Liebe eines anderen, muss ich doch bitten!
Wenn jemand behauptet, dass er nicht an Liebe glaubt, dann meint er vermutlich nur, dass er – wenn auch unbewusst – festgestellt hat, dass man Liebe nicht erzwingen kann.

