G danken


Die Gemeinde, die es gar nicht gibt
4. Juli 2010, 07:19
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Es ist unentbehrlich, dass jede Seele mit der „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ konfrontiert wird.

Die „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ zeichnet sich vor allem durch ihre Variabilität aus; jeder sieht sie auf die Weise, wie er sie sehen muss.
Den Armen verspricht sie Reichtum – den Reichen, dass sie von den Versuchungen desselben erlöst werden. Leere Blicke aus sterbenden Gemeinden lernen bei ihr zu hoffen, denn sie wächst so stark, dass man höhere Statistik betreiben muss, um diesen Segen messen zu können. Und doch pulsieren in ihr tiefe Beziehungen, so dass enttäuschte Megachurch-Nummernzieher dort einen Namen bekommen. Die „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ hat den Tageslichtprojektor endlich aus selbigem verbannt und verliert sich trotzdem nicht in medialen „Samstagnachtverlängerungen“. Sie ist dermaßen perfekt fortschrittlich, dass sie Rebellen und Traditionelle unter eine Kanzel bringt.

Das alles kommt nicht von irgendwo sondern von den Menschen, die in der „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ ein- und ausgehen. Natürlich sind es Christen. Doch nicht die Sorte, die sich nur so nennt; auch nicht die, die noch nicht wiedergeboren ist; erst recht nicht jene, die keine Beziehung zu Jesus haben. Nein, es sind echte Christen. Christliche Christen könnte man fast sagen, aber das wäre zu offensichtlich sinnlos. Seien Sie an dieser Stelle kreativ!
Menschen eben, die es ernst meinen. Und die trotzdem sehnsüchtigst auf eine weitere starke Persönlichkeit warten, um das „Team“ abzurunden. Oder auf eine schwache, die sich in beiderseitigem Einverständnis von den religiösen Krümeln, die vom Tisch der Professionellen fallen, ernährt.

Aus diesen Beispielen geht hervor, dass das Gotteshaus der „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ im Geist eines jeden Christen errichtet werden kann. Bewässern Sie seine trockenen Visionen!
Mit höchster Priorität muss jedoch die Vorstellung gepflegt werden, dass die „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ jenes Gut im überfließenden Maße besitzt, das tatsächlich am weitesten von ihr entfernt ist: Gnade.

Und schließlich vergessen Sie nicht, aus welchem Grund die „Gemeinde, die es gar nicht gibt“ existiert: um eine jede Seele herauszureißen – aus dem lebendigen Körper des Feindes; aus der Gemeinde, die es gibt.

(Aus einem etablierten Leitfaden für geerdete Engel)



Kein Bedarf
28. November 2009, 10:29
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Karl ist ein ganz normaler Junge im Alter von zehn Jahren. Er spielt Fussball, zerstört Lego-Bauten und setzt auf Konfrontation beim anderen Geschlecht. Sonntags geht er sogar zur Kirche – weil man das so macht. Eigentlich macht er das sogar gerne. Nur ein Satz, den dummerweise viele der Leute da immer betonen, stört ihn irgendwie: „Jesus ist für unsere Schuld gestorben.“
Nicht, dass er was gegen diesen Jesus hätte. Karl fühlt sich nur einfach nicht schuldig. Er kann mit diesem Satz einfach nichts anfangen. Und das macht ihn zu einem einsamen Gottesdienstbesucher. Denn um ihn herum reden alle mit schweren Worten davon, dass Jesus für ihre Schuld gestorben ist und dass das ja das Wichtigste ist. Und weil er das Wichtigste nicht versteht, so denkt Karl, gehört er nicht dazu. Und statt sich schuldig zu fühlen – damit auch er etwas mit diesem Jesus anfangen kann – fühlt er sich deswegen unglücklicherweise auch noch benachteiligt und ungerecht behandelt.

Dreiundzwanzig Jahre später: Karl ist endlich ein vollwertiger Teil der Gemeinde. Nach mehreren Bekehrungen kam er schließlich zu der Überzeugung, dass er als Mensch ja eine ganze Menge Schulden angehäuft hat, die ihm nur dieser Jesus wegnehmen kann. So spürt auch er nun die bittersüße Last der Schuld und kann jetzt mitreden, wenn es um diesen Jesus geht.

Eines Samstag abends ist ein besonderer Gottesdienst, bei dem Menschen aus der Gemeinde ihre Gedanken zu einem Thema von der Kanzel aus mit den anderen teilen. Das Thema an diesem Abend ist: Das Kreuz des 21. Jahrhunderts.
Nach einem Mann und einer Frau aus der Gemeinde tritt plötzlich ein Fremder hinter die Kanzel. Er sieht etwas heruntergekommen aus und redet mit klaren, lauten Worten: „Gott spricht die Menschen schuldig, auch wenn sie von ihrer Schuld nichts spüren. Und genauso hat Sein Sohn ihnen ihre Sünden am Kreuz weggenommen. Sünden, von denen sie noch gar nichts wussten. Er geht zu den Gefangenen und zerreißt ihre Ketten. Er geht zu den Ängstlichen und lässt ihnen eine neue Sonne aufgehen. Er schenkt den Verzweifelten eine Freiheit, von der sie noch gar nicht wussten, dass sie existiert und ihnen fehlt.“

Und in diesem Moment ist es, als würden die Kirchenfenster unter dem Druck des Windes, der von draußen dagegen bläst, bersten. Doch die Last der Schwermut hält von innen dagegen und nichts geschieht. Die Worte verhallen im Raum und in der folgenden Stille merkt man, dass eine Welle der Unmut anschwillt und auf die Kanzel zuläuft. Ein älterer Mann bemerkt geistesgegenwärtig die zynischen Blicke und geht leichten Schritts zu dem Mann hinter der Kanzel. Mit gönnerhafter Miene flüstert er ihm zu: „Verehrter Herr; in dieser Kirche sitzen eine ganze Menge Menschen, die Schweres erlebt und durchlitten haben. Dass wir uns trotz allem hier so versammeln können ist keine Selbstverständlichkeit. Wissen Sie, was uns der Zusammenhalt dieser Gemeinschaft von gefallenen Menschen kostet?“
Das darauf folgende Schweigen interpretiert der Fragende als Einladung, fortzufahren: „Dann wissen Sie sicher auch, was wir hier ganz und gar nicht gebrauchen können…“

„Ja, ich weiß es.“ gibt der Fremde nach einer kurzen Pause zurück und Tränen treten in seine Augen. Er geht zur Wand hinter dem Altar, hebt seine Arme – wobei Wundmale an seinen Händen hervortreten, nimmt das hölzerne Kreuz herunter und verlässt mit diesem die Kirche.



Freiheit
27. März 2009, 18:06
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Als ich heute morgen schlaftrunken durch den Frühnebel stolperte (im Badezimmer), kam mir ein Bild von einer Gemeinde: 2009_03_dkarte Das ist kein Puzzle mit Farbfehlern sondern eine deutsche Landkarte von 1378. Was sich heute mit einem Namen „Deutschland“ nennen lässt war mal ein Patchwork-Land aus dutzenden Kleinstaaten mit unterschiedlichen „Herrschern“. Das ist mein Bild von einer Gemeinde.
In einer Gemeinde trifft man auf einen bunten Teppich an Menschen, wie ihn ein noch so chaotischer Teppichweber niemals zusammen stellen würde: Es gibt traditionelle Menschen und solche, die nur die Zukunft lieben, um dann, wenn sie eintritt, wieder eine neue Zukunft zu lieben. Es gibt „Heilige“ und es gibt solche, die (für ihren Geschmack oder den der anderen) viel zu oft fehlerhaft sind. Es gibt Menschen, die den ganzen Tag lang tanzen (zumindest innerlich) und solche, die versuchen, den Tanz um sie herum aufzuhalten. Es gibt solche, die ein Blatt Papier zehn mal umdrehen und dann immer noch nicht fähig sind, es zu beschreiben und solche, die sofort drauf los schreiben und irgendwann merken, dass sie gar nicht wissen, was. Es gibt Köche und Choleriker, Diener und Propheten. Baba, der gutmütige Kamerad von Forrest Gump, könnte sicherlich noch ein paar Unterscheidungsmerkmale aufzählen. Und wenn die geographischen Grenzen dazu bestimmt sind, dass Länder Menschen festhalten und austauschen, dann sind die Grenzen in einer Gemeinde dazu da, an Meinungen und Eigenschaften festzuhalten und diese auszutauschen. Das alles ist und war zu allen Zeiten, glaube ich, normal.

Doch wenn etwas in einer christlichen Gemeinde nicht normal ist, dann ist es der Gedanke, dass es dort vielleicht verschiedene Christen gibt. Dazu muss man noch ein paar Sätze tippen:
Ein Christ ist ein Mensch, der an Jesus Christus als seinen persönlichen Herrn glaubt.

Mehr nicht (und auch nicht weniger).

Denn jede weitere Eigenschaft würde das Profil eines Christen im Wirklichkeit einengen. Und das tut es (leider meistens) auch. Nach zweitausend Jahren Kategorisierung sind wir heute soweit, dass hundert Menschen an hundert verschiedene Arten von „echten“, „richtigen“ oder „wirklichen“ Christen glauben: „Ein Christ ist ein Mensch, der die Bibel wortwörtlich befolgt.“ „…, der in Gemeinschaft mit anderen lebt.“ „…, der auch mal die Einsamkeit sucht.“ :…, der dieses oder jenes beständig tun oder lassen sollte.“ usw. Das sind alles wichtige Dinge und es gibt davon noch tausend weitere. Aber Jesus wollte nicht in erster Linie, dass wir bibeltreu oder bekennend oder fortschrittlich sind, sondern dass wir ihn kennen und als unseren Herrn lieben. Das ist der Kern, der im Alltag gerne mal an den Rand gedrängt wird. Doch wenn der Kern, der persönliche Glaube von jedem einzelnen an diesen Jesus, verloren geht, dann hat die Gemeinde ein Problem. Denn dann wird der persönliche Glaube zu einem einzigartigen Glauben (an die oben genannten Dinge oder tausend andere) und der will oder muss verteidigt werden. Dann wird die Gemeinde tatsächlich zu einer Landkarte, auf der die Kleinstaaten miteinander (nein, gegeneinander) Krieg führen.

Stell dir vor, die deutschen Kleinstaaten im Mittelalter hätten keinen andere Kommunikation untereinander gehabt als mit Schwert und Schild. Und würden plötzlich feststellen, dass sie die selbe Sprache sprechen und zum selben Volk gehören.
Stell dir vor, dass Christen in einer Gemeinde oder Gemeinden in einer Konfession oder gar ganze Konfessionen untereinander feststellen, dass sie tatsächlich einen Glauben haben. Wie viele „Schwerter“ könnten dann fallen gelassen werden…

Ein fester Glaube ist für die Freiheit unerlässlich. …
In besonderem Ausmaß trifft das im Falle der Religion zu. Solange man noch einen gemeinsamen Glauben hat, den jeder in einer bestimmten Gruppe ehrlich bekennt, wird diese Gruppe aus den alten, ewig neuen Gestalten der Religionsgeschichte bestehen: dem Heiligen, dem Heuchler, dem Zänker und dem armen Sünder. Derlei Leute bekommen einander gut, vielleicht tun sie sich zusammen, den Heuchler zu kurieren.
Aber sobald das Band der Lehre, das allein die Leute zusammenhält, zerbricht, wird alles zu seinesgleichen außerhalb der Gruppe streben. Die Heuchler werden sich zusammenscharen und einander als Heilige ausgeben, die Heiligen werden sich in der Wüste verlieren und einander arme Sünder nennen, die armen Sünder werden in der allgemeinen Luft des Schwachsinns noch schwächer werden, der Zänker aber wird Umschau nach jemandem halten, mit dem er sich zanken kann. …
Wo immer aber es zu derlei Fehlentscheidungen kommt, immer entspringen sie aus der Vernachlässigung der einen Wahrheit: dass die Menschen in einem Prinzip übereinstimmen müssen, damit sie in allen anderen verschiedener Meinung sein können; Gott gab ihnen ein Gesetz und das Recht, es in tausend Freiheiten zu verwandeln.
G. K. Chesterton

Durch Christus sind wir frei geworden, damit wir als Befreite leben. Jetzt kommt es darauf an, dass ihr euch nicht wieder vom Gesetz versklaven lasst.
Paulus, Galaterbrief 5,1

Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
Paulus, 2. Korintherbrief 3,17b




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