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Ein Freund erinnerte mich vorgestern daran, wie … unsere Gebete doch machmal sind. (Jeder kann da etwas nach eigener Wahrnehmung einfügen). Irgendwie kam mir dabei ganz dunkel eine Predigt über das Vaterunser in den Sinn, in der es darum ging, es für unser Leben zu lesen und zu beten. Ausserdem erinnerte ich mich daran, dass es ja eigentlich das Gebet ist. Ob einem das bewusster ist, wenn man es jede Woche in der Kirche herablei betet, weiß ich aus Erfahrung nicht.
Jedenfalls hab ich mir Gedanken zu dem Gebet gemacht und wollte diese hier als Gedanken (nicht Wahrheiten) weitergeben.
Unser Vater im Himmel!
Der Anfang und aus meiner Sicht der wichtigste Teil. Er macht aus einem Bitte-Danke-Ruf oder einem To-do-Gebet ein intimes Gespräch. Er verdeutlicht, dass da ja – wenn das alles stimmt – wirklich ein Vater ist. Kein Erzeuger. Kein Abhauer. Kein Buchhaltertyp, bei dem man ständig im Soll ist. Ein echter liebender, sich kümmernder, interessierter Vater. Ich hab den Eindruck, wenn man den ersten Satz eine halbe Stunde lang ernsthaft betet, dass man mehr mit Gott geredet hat, als in einem ganzen Jahr voller “Alltagsgebete”.
Dein Name werde geheiligt.
Das Wort heilig ist natürlichweiser in meinem Wortschatz nicht vorhanden. Damit dürfte ich nicht ganz alleine sein. Jesus wusste, dass es uns oft leichter fällt, etwas unheilig zu sprechen. Ich weiß nicht, ob die Welt immer schlechter wird, aber sie wird immer zynischer und sarkastischer. Alles und jeder kann von heute auf morgen mit Worten zerrissen werden.
Im Song Hallowed Be Thy Name (engl. für: Dein Name werde geheiligt) von Iron Maiden geht es um die letzten Gedanken eines Mannes, der zum Galgen geführt werden soll. Erfasst von Grauen und Todesangst resümiert er “das Leben hier unten” als eine verrückte Illusion. Seine letzten Worte sind “Dein Name werde geheiligt”, was sicher ironisch gemeint ist. Steve Harris, der Songwriter, sagte zu dem Song, dass es um “Glauben ganz allgemein ginge, aber könnte dieser Glaube in letzter Sekunde – dann wenn du ihn am meisten brauchst – versagen?!”
Das Lied gab mir den Hinweis zum Sinn des zweiten Satzes. Hierbei geht es nicht darum, sich die Heiligkeit Gottes bewusst zu machen – sondern an dieser Heiligkeit festzuhalten, im Angesicht unserer Galgen der Unheiligkeit. Im Angesicht von hässlichen Alltagsszenen, Scheuklappen der Verletzheit in unserer Ellbogengesellschaft, Zynismus und persönlichem Schmerz. Der zweite Satz des Vaterunser muss eigentlich mit offenen Augen gebetet werden. Hier soll kein frommes Paralleluniversum in unseren Geist verwirklicht werden.
Jesus hat sein Gesicht von Unheiligkeit nicht abgewendet, sondern hat sie bekämpft. Mit diesem Satz stellt er uns eine Frage: Kannst du – auch wenn deine Augen sich vor der Unheiligkeit dieser Welt nicht verschließen – an mir und meiner Heiligkeit festhalten? Kannst du festhalten, wo andere zerstreuen? Kannst du wertschätzen, wo andere beschmutzen? Kannst du aufbauen, wo andere zerstören? Kannst du heiligsprechen, wo andere unheiligsprechen?
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„Jetzt kommen sie wirklich aus den letzten Winkeln der Stadt, um ihn zu sehen!“ raunte Jakobus und drehte sich vom Fenster weg den anderen zu.
„Man sollte doch eigentlich meinen, dass der Sohn Gottes besseres zu tun hätte, als der Bevölkerung einer Provinzstadt die Hände auf zu legen.“
„Schlafen zum Beispiel…“
„Naja, das hat er sich verdient; drei Tage lang geredet und geheilt und zum Abschluss einige tausend Brote zerbrochen. Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, aber ich behaupte mal: das schlaucht!“ meinte Johannes.
„Wenn er aufwacht, bemerkt er vielleicht endlich mal das Schreibzeug, dass ich seit vier Monaten hinter ihm her schleppe. Ich meine, die Leute werden uns am Ende verantwortlich machen: Super, der Erbauer der Welt und ihr König war bei euch und ihr habt nicht dafür gesorgt, dass er ordentliche Memoiren schreibt: Formeln, Naturgesetze; wie das mit dem menschlichen Miteinander gedacht war und was man macht, damit es endlich funktioniert…“ gab Matthäus zu bedenken.
Von der Tür her drang ein gewaltiges Klopfen durch den Raum.
„Petrus!“ prophezeite Andreas.
Es war tatsächlich Petrus, der sich – unterlegt vom Schreien und Rufen der Außenstehenden – durch die Pforte drückte und eine Minute brauchte, um Luft zum Sprechen zu bekommen: „Wahnsinn, der absolute Wahnsinn – Es – Es artetet aus – Die Leute haben alles mitbekommen – Sie – Sie drehen einfach durch – … – Da draußen ist eine Frau, die glaubt, dass ihr Sohn von ihm wieder lebendig gemacht werden kann…“
„Eine arme Gegend ist das hier – wo sonst kommt solch eine Hoffnung her“ sagte Andreas und schaute noch einmal nach, ob der Türriegel fest auf seinem Platz lag.
Eine ganze Zeit lang versuchten die Jünger, durch Schweigen Ruhe in den Raum zu bringen, was jedoch der Geräuschkulisse keine Minderung brachte.
„Wir müssen etwas tun!“ rief schließlich Petrus und schlug mit aller Gewalt auf den Tisch.
„Du hast Recht,“ gab Bartholomäus leise zurück, der ansonsten eher schüchtern war. Mit einem Mal hefteten ihm die wankelmütigen Blicke aller anderen die Bringschuld einer Lösung an und er bereute seinen Kommentar.
Er dachte verzweifelt nach und fing einen Moment später an: „Lasst – Lasst uns beten – … – Herr, unser Gott. Du siehst die Not dieser – dieser Menschen. Du siehst alle ihre Not…“
Johannes bemerkte die Unsicherheit seines Bruders und sufflierte ihm das ein oder andere Wort.
„… schicke starke Menschen, die hier helfen können. Helfer aller Art. Für alles, was hier gebraucht wird. Zeige dich diesen Menschen, damit sie losgehen und helfen. Amen.“
Im gleichen Augenblick wurde die Tür zum hinteren Raum des Hauses geöffnet und die zwölf waren nicht mehr allein. Der Mann im Türrahmen hatte lange Haare und ein langes Gewand – was ihn von den anderen nicht unterschied.
Er, der alle Antworten kannte, fragte: „Ihr habt mich gerufen?“
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So möge Gott uns segnen mit Unbehagen
gegenüber allzu einfachen Antworten,
Halbwahrheiten und oberflächlichen Betrachtungsweisen,
damit Leben in der Tiefe unseres Herzens wohne.
Möge Gott uns mit Zorn segnen
gegenüber Ungerechtigkeit, Unterdrückung
und Selbstherrlichkeit der Mächtigen,
damit wir nach Gerechtigkeit und Frieden streben.
Möge Gott uns mit Tränen segnen,
zu vergießen für die, die unter Schmerzen und Not,
Unverständnis und Unvernunft leiden,
damit wir unsere Hände ausstrecken, sie zu trösten
und ihren Schmerz in Hoffnung und Freude zu verwandeln.
Und möge Gott uns mit Torheit segnen,
daran zu glauben, dass wir die Welt verändern können,
indem wir Dinge tun,
von denen andere meinen,
es sei unnötig und unmöglich, sie zu tun.
Nur, weil mehr ein Stück begehren
vom Lebensglück im Rampenlicht
wird der Kuchen sich nicht mehren,
der selten hält, was er verspricht.
Eins ist sicher, bleibt besteh’n,
dass die nächste Plattform kommt,
twitter, wordpress, wer-kennt-wen,
und den Erstplatzierten krönt.
Weltberühmt für zehn Minuten
und die Masse betet an.
Jeder denkt: „Ich muss mich sputen,
dann bin ich als Nächstes dran.“
Rechner, Browser, World Wide Web,
tausend Fenster gehen auf.
Das Axiom: Ich bin kein Depp.
Sagt es mir: Ich hab es drauf!
Doch die Stimme ist zu leise,
die den Beweis erbringen soll,
flüstert mir auf ihre Weise:
„Irgendwie bist du nicht toll!
Irgendetwas ist da toller,
bei dem Herrn XY,
mehr Klicks und auch das Gastbuch voller!“
die zweite Geige kenn’ ich schon.
Und wieder taucht die Frage auf,
die sich nicht verbergen lässt:
„Bin ich gut – hab ich es drauf?
Oder zählt man mich zum Rest?“
Doch so langsam dämmert’s mir,
tritt das Licht auf meine Schwelle,
lässt das Fünkchen Einsicht hier,
dass ich die falsche Frage stelle.
Dass all mein Fragen und Beweisen
das eine Ziel im Auge hält;
der einen Frage auszuweichen,
die man nur an die Allmacht stellt.
Stimmt es, was die Alten sagen,
dass da einer alles lenkt?
Stärker sind zynische Klagen,
dass hier nur der Zufall denkt.
Doch lauter noch, der Schrei der Stille –
wenn die Medien Pause haben.
Dann wird klar mein erster Wille
und ohne Worte muss ich fragen:
Heilst Du meine Teile-Welt,
die selbst nicht mehr zusammenhält?
Hältst Du mich, fängst Du mich auf?
Bist Du Gott? Hast Du es drauf?

