G danken


Bird by bird: Hoffnung und Leuchttürme
23. Dezember 2009, 10:49
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Ich mag es, wenn sie Hoffnung haben – wenn ein Erzähler oder ein Freund sich zu früh als ohne Hoffnung erweist, verliere ich das Interesse. So etwas depremiert mich. Es verursacht bei mir Fressanfälle. Eine Ausnahme sind hoffnungslose Personen, die darüber Witze reißen, aber schließlich drückt Galgenhumor in Wahrheit ja auch eine Art Hoffnung aus. Romane sollten Hoffnung haben – es gibt ganz allgemein überhaupt keinen Grund, Romane zu schreiben, die keine Hoffnung vermitteln. Wir wissen alle, dass wir sterben werden; die Frage ist nur, was für Menschen wir im Angesicht dieser Tatsache sind.

Sie brauchen nicht einmal zu wissen, wie oder durch was es geschieht, aber wenn Sie die klarsten, wahrhaftigsten Worte, die Sie finden können, schreiben und alles geben, um zu verstehen und es zu vermitteln, dann wird es auf dem Papier erstrahlen wie ein kleiner Leuchtturm. Leuchttürme rennen nicht überall auf der Insel herum und suchen nach Booten, die sie retten können; sie stehen nur da und senden ihr Licht aus.



Bird by Bird: Geben
7. Dezember 2009, 14:58
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Hast Du schon mal drüber nachgedacht, zu Schreiben? Vielleicht als Kind eine Kurzgeschichte. Oder als Erwachsener über deine Kindheit. Ein Buch. Ein Gedicht. Einen Brief. Irgendwas?!

Gerade habe ich ein Buch durch, das ich einfach nur weiterempfehlen muss und daher das ein oder andere daraus hier zitieren werde.

Bird by Bird. Wort für Wort von Anne Lamott.

(Leider ist es nur noch gebraucht in deutsch zu bekommen und nicht gerade günstig.)

Hier der erste Ausschnitt:

Sie werden geben, geben und nochmals geben müssen, andernfalls brauchen Sie gar nicht erst zu schreiben. …
Hier ist die schönste Geschichte zum Thema Geben, die ich kenne; sie wurde mir von Jack Kornfield vom Spirit Rock Mediation Center in Woodacre erzählt. Ein Achtjähriger hörte, dass seine jüngere Schwester, die Laukämie hatte, sterben würde, wenn sie keine Bluttransfusion bekäme. Seine Eltern erklärten ihm, dass sein Blut sich vermutlich mit ihrem vertragen würde und dass er daher als Spender geeignet wäre. Sie fragten ihn, ob sie sein Blut untersuchen dürften. Er willigte ein, und es zeigte sich, dass es funktionieren könnte. Nun fragten sie ihn, ob er seiner Schwester einen halben Liter Blut abgeben würde, weil das vielleicht ihre letzte Chance war. Der Junge sagte, er würde die Entscheidung überschlafen.
Am nächsten Tag ging er zu seinen Eltern und sagte, er sei bereit zu spenden. Sie brachten ihn ins Krankenhaus, wo er neben seine Schwester auf eine Bahre gelegt wurde. Man zapfte ihm Blut ab und hängte den Behälter an den Tropf seiner Schwester. Der Junge lag schweigend auf der Bahre, während das Blut in seine Schwester sickerte, bis der Arzt kam und nach ihm sah. Da öffnete der Junge die Augen und sagte, “Wie bald werde ich anfangen zu sterben?”



Jeder Mensch braucht eine Stimme
28. Februar 2009, 07:09
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Jeder Mensch braucht eine Stimme, an die er sein Ohr hängen kann. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen. Wir fühlen uns so unabhängig, so aufgeklärt, so emanzipiert.

Aber nimm den Menschen ihre Bücher, ihre Zeitschriften, ihre Musik – die Medien, die eine Stimme beinhalten, die uns aus dem Herzen spricht. Die uns anstachelt oder uns gleichgültig macht. Die uns betrübt oder begeistert. Dann nimmst du ihnen auch ihren Lebenstrieb.
Dann werden sie früher oder später in die Kirchen oder in die Kneipen rennen, wie im Simpsons-Film. Aushalten werden sie es nicht. Und bald werden einige wenige, die tatsächlich eine eigene Stimme hervorbringen können, wieder anfangen zu reden (oder zu schreiben). Sie werden zu den neuen „Seelenführen“ (Journalisten, Wissenschaftlern, Redegewandte…) der Masse. Dann ist wieder alles wie vorher.

Das Internet legt dieses Bedürfnis gnadenlos frei. Warum gerade das Internet? Weil hier garantiert jeder die Stimme finden wird, die ihm gefällt. Ob es die Nachrichten auf spiegel-online, die Meinungen in einem zynischen Forum, der neueste Rap auf youtube, die dahingeplätscherten Worte in einem anonymen Chat oder der Beitrag im Blog von nebenan ist – irgendwo hört jeder Mensch die Worte, die er braucht. „Ich verstehe Dich!“ „Du bist nicht allein!“ „Du hast recht!“

Und das ist nichts schlechtes!

Schlecht wird es nur dann, wenn der Inhalt dieser Botschaften zweitrangig wird. Wenn die Botschaft ist: „Es ist egal was ich sage, Hauptsache es gefällt (möglichst vielen)!“
Wer, wie ich, oft im Internet auf die Suche nach dieser Stimme ist, der sollte sich meiner Meinung nach als erstes fragen „Was für Ansichten werden hier vertreten?“ und nicht „Welche gefällt mir am besten?“.

Lasst sie reden! Sie wollen Blinde führen und sind selbst blind. Wenn ein Blinder den andern führt, fallen beide in die Grube.
Jesus in Matthäus 15,14

Gestern bin ich auf eine arg empfehlenswerte (leider englische) Webseite hierzu gestoßen.




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