G danken


Kein Bedarf
28. November 2009, 10:29
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Karl ist ein ganz normaler Junge im Alter von zehn Jahren. Er spielt Fussball, zerstört Lego-Bauten und setzt auf Konfrontation beim anderen Geschlecht. Sonntags geht er sogar zur Kirche – weil man das so macht. Eigentlich macht er das sogar gerne. Nur ein Satz, den dummerweise viele der Leute da immer betonen, stört ihn irgendwie: „Jesus ist für unsere Schuld gestorben.“
Nicht, dass er was gegen diesen Jesus hätte. Karl fühlt sich nur einfach nicht schuldig. Er kann mit diesem Satz einfach nichts anfangen. Und das macht ihn zu einem einsamen Gottesdienstbesucher. Denn um ihn herum reden alle mit schweren Worten davon, dass Jesus für ihre Schuld gestorben ist und dass das ja das Wichtigste ist. Und weil er das Wichtigste nicht versteht, so denkt Karl, gehört er nicht dazu. Und statt sich schuldig zu fühlen – damit auch er etwas mit diesem Jesus anfangen kann – fühlt er sich deswegen unglücklicherweise auch noch benachteiligt und ungerecht behandelt.

Dreiundzwanzig Jahre später: Karl ist endlich ein vollwertiger Teil der Gemeinde. Nach mehreren Bekehrungen kam er schließlich zu der Überzeugung, dass er als Mensch ja eine ganze Menge Schulden angehäuft hat, die ihm nur dieser Jesus wegnehmen kann. So spürt auch er nun die bittersüße Last der Schuld und kann jetzt mitreden, wenn es um diesen Jesus geht.

Eines Samstag abends ist ein besonderer Gottesdienst, bei dem Menschen aus der Gemeinde ihre Gedanken zu einem Thema von der Kanzel aus mit den anderen teilen. Das Thema an diesem Abend ist: Das Kreuz des 21. Jahrhunderts.
Nach einem Mann und einer Frau aus der Gemeinde tritt plötzlich ein Fremder hinter die Kanzel. Er sieht etwas heruntergekommen aus und redet mit klaren, lauten Worten: „Gott spricht die Menschen schuldig, auch wenn sie von ihrer Schuld nichts spüren. Und genauso hat Sein Sohn ihnen ihre Sünden am Kreuz weggenommen. Sünden, von denen sie noch gar nichts wussten. Er geht zu den Gefangenen und zerreißt ihre Ketten. Er geht zu den Ängstlichen und lässt ihnen eine neue Sonne aufgehen. Er schenkt den Verzweifelten eine Freiheit, von der sie noch gar nicht wussten, dass sie existiert und ihnen fehlt.“

Und in diesem Moment ist es, als würden die Kirchenfenster unter dem Druck des Windes, der von draußen dagegen bläst, bersten. Doch die Last der Schwermut hält von innen dagegen und nichts geschieht. Die Worte verhallen im Raum und in der folgenden Stille merkt man, dass eine Welle der Unmut anschwillt und auf die Kanzel zuläuft. Ein älterer Mann bemerkt geistesgegenwärtig die zynischen Blicke und geht leichten Schritts zu dem Mann hinter der Kanzel. Mit gönnerhafter Miene flüstert er ihm zu: „Verehrter Herr; in dieser Kirche sitzen eine ganze Menge Menschen, die Schweres erlebt und durchlitten haben. Dass wir uns trotz allem hier so versammeln können ist keine Selbstverständlichkeit. Wissen Sie, was uns der Zusammenhalt dieser Gemeinschaft von gefallenen Menschen kostet?“
Das darauf folgende Schweigen interpretiert der Fragende als Einladung, fortzufahren: „Dann wissen Sie sicher auch, was wir hier ganz und gar nicht gebrauchen können…“

„Ja, ich weiß es.“ gibt der Fremde nach einer kurzen Pause zurück und Tränen treten in seine Augen. Er geht zur Wand hinter dem Altar, hebt seine Arme – wobei Wundmale an seinen Händen hervortreten, nimmt das hölzerne Kreuz herunter und verlässt mit diesem die Kirche.



Gewissenhaft
30. August 2009, 06:44
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Das Gewissen, sagt man, führt zurück auf den richtigen Weg – Gott spricht in unserem Gewissen. Für andere ist es ein Überrest, der nach Millionen Jahren von Evolution doch nun endlich mal zum Wohle aller verschwinden sollte.

In jedem Fall ist es mächtig. Es operiert wie ein Chirurg direkt am Herzen. Und das mit Verstandeswerkzeug. Aber was passiert, wenn diese Macht missbraucht wird? Kann sie das überhaupt?
Ich denke, dass Gott unser Gewissen als ein Werkzeug für einen guten Zweck geschaffen hat. Vielen Menschen begegnet Gott zum ersten Mal im Gewissen. Und daran kann man Gefallen finden. Denn das Gewissen ist spürbar nah. Es verspricht einem untrügliche Sicherheit im Umgang mit Gut und Böse. Und mehr und mehr verliert es seine Rolle als Werkzeug…
Gott hasst die Schuld, weil sie seine geliebten Geschöpfe – uns selbst – von ihm trennt. Das gesamte Christentum ist eine Chronik der Wiederherstellung dieser Trennung. Gott setzt nicht der Schuld wegen soviel Energie um, sondern wegen uns.
Das Gewissen fängt genauso an. Es „argumentiert“ in unserem Herzen, wenn wir etwas Falsches tun. Doch wenn es seine Rolle als Werkzeug verliert, verliert es sein Ziel: dann ist es gar nicht mehr daran interessiert, den Menschen bei Gott zu sehen – schließlich verlöre es dadurch seine Daseinsberechtigung.
Es wird zu einer Schuldmühle. „Dort habe ich versagt!“ „Dies habe ich falsch gemacht.“ „Ihn betrogen, sie vernachlässigt…“ Sünde wird zum Futter für den gefräßigen Gott namens Gewissen und mit den besten Argumenten fordert er sie ein. Der Mensch verendet in einer trüben Suppe aus Selbsthass, Unversöhnlichkeit und Gesetzlichkeit.

Gottes Liebe ist letztlich fernab von Logik. Für Vergebung lassen sich keine Verstandesargumente formulieren. Wenn das Gewissen zum Gott wird, hat es seine Bestimmung verlassen. Dann hat es kein Recht mehr, unseren Himmel zu verdunkeln.
Wenn Dich Dein Gewissen nicht (mehr) zu Gott führt, dann hör’ guten Gewissens weg und such’ Seine Stimme!

Doch auch wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott größer ist als unser Gewissen. Er kennt uns ganz genau. Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen.
1. Johannes 3, 20f

2009_08_himmel



Gewöhnlicher Aberglaube
10. Januar 2009, 13:03
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tolstoi_auferstehung
“… ist.” fehlt noch beim letzten Satz.

Aus: Auferstehung von Leo Tolstoi.

Empfehlenswert, weil sich die Charaktere im Laufe der Geschichte verändern, was bei scheinbar jedem Buch von Tolstoi der Fall ist.




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