Einsortiert unter: Persönliches | Schlagwörter: Absage, Musterbrief, Poesie, Prosa
Diejenigen, die mich näher kennen, wissen, dass ich seit einigen Wochen versuche, eine Erzählung bzw. Kurzgeschichte an den Verlag zu bringen. Heute kam dann ein Antwortbrief (was ja schon mal nicht selbstverständlich ist), der tatsächlich meine Euphorie (wenn auch nicht mit der erhofften Grundlage) steigerte:
Ich hätte niemals auch nur im Traum geahnt, dass in meiner Prosa so viel Poesie steckt! ;)
Sie blickt hoffnungsvoll auf das Objektiv. Die eine Seite der Lüge. Ihre Hoffnung sagt ihr, dass da draußen jemand ist, der sie schön nennt – wunderschön. Je höher der Preis, desto stärker die Hoffnung. Umso mehr Blitze, Drehs, Aufträge – umso mehr Liebe! Das Objektiv bewahrt sie davor, in den Augen eines Gegenüber die Wahrheit ablesen zu dürfen. Zu müssen, denkt sie.
Er sitzt vor dem Bildschirm und liest aus ihren Augen, die ihn scheinbar sehen können: „Du bist der Mann – du hast es raus. Wegen dir bin ich hier. Du bist es wert!“ Dass sie mit ihren Blicken, Gesten und vielleicht auch Worten nie – niemals – ihn meint, ist das letzte, das er erkennen wird. Die andere Seite der Lüge.
Wer wird es ihm sagen?
Ich weiß nicht, was Du mit Deiner Kindheit für Gefühle verbindest, aber ich erinnere mich vor allem an eines: Unbekümmertheit, Sorglosigkeit.
Natürlich haben Kinder weniger Gründe, sich zu sorgen, da sie (im Idealfall) versorgt werden. Aber ich glaube, dass es noch eine Ursache gibt, weshalb viele Erwachsene diese Unbekümmertheit verloren haben: Die Art des Denkens.
Die meisten Erwachsenen denken wissenschaftlich. Das heißt, sie versuchen, aus Erfahrungen der Vergangenheit Schlussfolgerungen (Gesetzmäßigkeiten) abzuleiten, nach denen sich ihre Zukunft zutragen wird. Das ist nichts anderes, als wenn ein Physiker versucht, die (zukünftige) Flugbahn eines Satelliten zu berechnen.
Und mit dem Ablauf der Zukunft bestimmen wir auch das Maß an Glück oder Unglück, das uns damit erreichen wird. Das kennt jeder, wenn er zum Beispiel an einen Geburtstag von XY oder an den ganz normalen Alltag denkt. Übermäßige Freudenschübe werden wegen hohem Enttäuschungsrisiko gedanklich gekappt – alles muss möglichst im Rahmen unserer Erfahrungen verlaufen. Spaß muss bekannter Spaß sein, darf allerhöchstens ein bisschen mehr kitzeln.
Das wäre ja noch alles schön und gut, wenn der Mensch nicht so ein trübsinniger, bildzeitungsgeprägter Gefährte wäre. Von allen Möglichkeiten erscheinen die schlechteren doch immer noch am möglichsten. Dann doch lieber bewährte Weinglas-Melancholie als echte Hoffnung auf ein besseres Morgen.
Was würde ich manchmal geben, um wieder wie ein Kind denken zu können. Das aus Naivität (oder ungewollter Klugheit) noch nicht gelernt hat, Morgen und Übermorgen zu berechnen – was sowieso selten bis niemals möglich ist. Das sich mit vollem Risiko in tiefen Schmerz und übermäßiges Glück stürzt und doch (Achtung, jetzt kommt eine subjektive Wertung!) meistens glücklicher scheint als der Erwachsene.




